Finanzmärkte Schweiz und International
Das politische Umfeld ist zu Beginn des neuen Jahres volatil. Insbesondere der amerikanische Präsident sorgt mit seinen fast täglichen Ankündigungen von neuen Zöllen, um diese wenig später dann wieder auszusetzen, für grosse Verunsicherung. Dies verunmöglicht vielen Unternehmen eine seriöse Planung und sorgt daher auch für eine Zurückhaltung bei Investitionen. Aber auch die amerikanischen Konsumenten beginnen zurückhaltend zu werden. Kommt es allenfalls gar zu einer Rezession in den USA?
Das US-Bruttoinlandprodukt (BIP) ist 2024 um solide 2.8 % angestiegen. Bezüglich allfälliger Zölle ist festzuhalten, dass eine dadurch ausgelöste Verteuerung von Importprodukten zu höherer Inflation führt. Daher hält sich die amerikanische Notenbank (FED) bisher wie angekündigt mit Zinssenkungen zurück. Sie beobachtet weiterhin die Entwicklung der Teuerung aufmerksam. Derzeit erwarten die meisten Marktbeobachter noch zwei Senkungen dieses Jahr.
Das europäische BIP legte 2024 um 0.8 % zu. Zu diesem Anstieg trugen jedoch die beiden grössten Länder Deutschland und Frankreich, welche fast die Hälfte der Wirtschaftsleistung ausmachen, nichts bei. Im Gegenteil schrumpften doch beide Volkswirtschaften um 0.2 resp. 0.1 %. Angesichts der grossen Unsicherheiten in der Handels- und Geopolitik reduzierte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr. Sie reagierte mit zwei Leitzinssenkungen von je 0.25 % und nähert sich dem neutralen Bereich. Noch weitere zwei Senkungen im laufenden Jahr werden erwartet. Die in Deutschland geplanten grossen Rüstungs- und Infrastrukturinvestitionen könnten das Wachstum, aber auch die Inflation, stimulieren.
Die Schweizer Wirtschaft entwickelte sich angesichts der europäischen Schwäche relativ robust und das BIP stieg immerhin um 0.9 %. Für das laufende Jahr wird derzeit sogar eine noch etwas stärkere Zunahme erwartet. Allerdings sind diese Erwartungen angesichts der vielen Unwägbarkeiten sehr unsicher. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte im vergangenen Jahr mehrmals darauf hingewiesen, dass sie die Leitzinsen 2025 weiter senken möchte. Daher kam die Reduktion des Leitzinses um 0.25 % auf noch 0.25 % Mitte März wenig überraschend. Allerdings zeigte sich die SNB für eine weitere Zinssenkung nun vorsichtiger, was auch mit den Unsicherheiten bezüglich der zukünftigen weltweiten Handelspolitik zusammenhängt. Viele Marktbeobachter erwarten in diesem Jahr gar keine Senkung mehr.
Die Renditen der 10jährigen Staatsanleihen in Europa sind gestiegen. Insbesondere das von der neuen deutschen Bundesregierung verabschiedete Sondervermögen führt zu einer deutlichen Ausdehnung der Staatsschulden. Auch in anderen europäischen Ländern dürfte die Staatsverschuldung angesichts der notwendigen Investitionen in die Verteidigung steigen. Nach einem starken Anstieg der US-Renditen bildeten sich diese wieder etwas zurück. Auch hier verlangen die Marktteilnehmer angesichts des grösseren Schuldenangebots höhere Renditen. Die Schweizer Renditen machten den Anstieg des Auslandes teilweise mit.
Die weltweiten Aktienmärkte legten einen schwungvollen Start ins neue Jahr hin. Insbesondere im Januar stiegen die Indices deutlich. Nachdem aus China eine neue kostengünstigere KI-Anwendung lanciert wurde, kamen die US-Technologiewerte unter Druck. Daher verlagerten die Anleger ihren Fokus vermehrt auf die vernachlässigten europäischen Werte und auf Aktien aus zurückgebliebenen Branchen wie Pharma oder Nahrungsmittel.
In den kommenden Wochen werden die Investoren ihr Hauptaugenmerk auf die Entwicklungen rund um die Einführung oder Erhöhung von weiteren US-Zöllen richten. Hier drohen Gegenmassnahmen betroffener Länder und eine Eskalation zu einem Handelskrieg mit kaum abschätzbaren Folgen für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Es darf aber angenommen werden, dass die weltweiten Aktienmärkte sehr negativ reagieren werden.
Der amerikanische Aktienmarkt litt unter den Kursrückgängen bei den grossen Techunternehmen. Nach den Kurssteigerungen der letzten beiden Jahre verwundern diese Gewinnmitnahmen nicht. Auch die erratische US-Politik sorgt nicht für ein stabiles Umfeld und Vertrauen der Anleger in US-Aktien. Die im internationalen Vergleich hohe Bewertung belastet zusätzlich. Unsere Anlage im S&P-Tracker verzeichnete einen Rückgang von rund 7 %. Die Technologieanlage verlor über 15 %.
Eine Renaissance scheinen die europäischen Aktienmärkte zu verzeichnen. Nachdem die Werte von den internationalen Anlegern lange Jahre verschmäht wurden, zogen die tiefen Bewertungen die Investoren an. Dies trotz einer schwachen Wirtschaftsentwicklung und politischer Unsicherheiten in den grossen Ländern Frankreich und Deutschland. Viele europäischen Indices verzeichnen einen zweistelligen Anstieg.
Unserer Investition auf die europäischen Wachstumswerte konnte immerhin rund 4 % zulegen. Noch erfreulicher lagen Siemens im Markt mit einem Plus von rund 14 %. L’Oréal stiegen immerhin noch um 4 %. Dagegen waren ASML, Kering, LVMH oder Schneider Electric deutlicher im Minus.
Ähnlich wie letztes Jahr verzeichnete der Schweizer Aktienmarkt eine schwungvollen Jahresstart. Mit einem Plus von über 8 % konnte der Swiss Market Index (SMI) auch mit den europäischen Nachbarn mithalten. Zu den Hauptgewinnern gehörten Richemont, Swiss Life, Swiss Re und Zürich Versicherung mit einem zweistelligen Anstieg. Stark profitieren konnten auch Novartis und Roche mit einem Plus von rund 12 %. Erfreulicherweise noch höher notierte Nestlé mit einem Anstieg von knapp 20 %. Bei den Verlieren waren ABB, Givaudan, Kühne+Nagel, Logitech, Sika, Sonova und UBS zu finden. Die übrigen SMI-Werte wie Alcon, Lonza, Partners Group und Swisscom legten knapp einstellig zu.
Der Swiss Market Index Mid (SMIM) konnte nicht ganz mit dem SMI mithalten und legte nur rund 3% zu. Zu den stärksten Werten mit einem zweistelligen Kursanstieg gehörten Adecco, Baloise, Helvetia, Lindt&Sprüngli, Schindler, SPS und Temenos. Bei den Verlierern waren Barry, Belimo, Clariant, Ems-Chemie, Flughafen Zürich, Georg Fischer, Sandoz, SGS, SIG, Straumann, Swatch, Tecan und VAT zu finden. Allerdings lagen die Abschläge im einstelligen Bereich. Galenica waren noch knapp im Plus.
Chartübersicht

Swiss Market Index (SMI) / Swiss Market Index Mid (SMIM) / DJ Euro Stoxx 50(ESTX50) / Standard&Poors 500 (S+P500) je in Lokalwährung