Finanzmärkte Schweiz und International

Der US-Präsident sorgt weiterhin für Unruhe. Am 2. April schockierte er an seinem sogenannten Liberation Day mit der Bekanntgabe von drastisch hohen Zöllen nicht nur weltweit Regierungen, sondern auch die Finanzmärkte. Ein heftiger Einbruch an den Aktienbörsen war die Folge. Für die Festlegung der Zölle wurde eine dilettantische Berechnungsformel angewendet, welche keinen fundierten wirtschaftlichen Hintergrund hatte.

Anscheinend wurde der Präsident und seine Berater von der Heftigkeit der Reaktionen von Regierungen und der Märkte überrascht und verschob die Einführung dieser Zölle wenige Tage später um 90 Tage, damit Zeit für Verhandlungen gewonnen werden konnte. Inzwischen haben fast alle betroffenen Länder entsprechende Gespräche aufgenommen. Nach-dem die gesetzte Frist am 9. Juli ausläuft, bleibt abzuwarten, was danach kommt. Wird die Frist verlängert? Können sich die USA mit den Ländern auf tiefere Zölle einigen? Oder werden die ursprünglich definierten Zölle angewandt? Je nach Ausgang dürfte es zu entsprechenden Reaktionen an den Märkten kommen.

Nachdem sich einige Unternehmen in den USA in Erwartung der Zölle mit entsprechenden Waren im Vorfeld bereits eingedeckt und entsprechend ihre Lager aufgestockt haben, dürften die Importe in den kommenden Monaten eher zurückgehen. Die vorgezogenen Importe waren der Hauptgrund für den Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) im 1. Quartal von 0.9 %. Dies war der erste Rückgang seit dem 1. Quartal 2022. Aber auch der wichtige Privatkonsum hat deutlich an Dynamik eingebüsst.

Die amerikanische Notenbank (FED) hielt den Leitzins weiterhin unverändert. Die Unsicherheit wie es mit den Zöllen weitergeht und deren allfällige Auswirkung auf die Inflation sorgen für Zurückhaltung. An ihrer letzten Sitzung deutete sie jedoch eine erste mögliche Zinssenkung für den Herbst an.

In der Eurozone machten sich die vorgezogenen US-Exporte im Zuge des Handelskonflikts positiv bemerkbar. Das EU-BIP stieg im 1. Quartal über Erwarten um 0.4 %. Sogar Deutschland könnte seit längerer Zeit wieder einen positiven Wert ausweisen. Allerdings bleibt das Wachstum weiter tief und anfällig bei erneut aufkommenden Verunsicherungen. Daher senkte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins anfangs Juni wie erwartet um 0.25 % auf noch 2 %. Aufgrund der weiter bestehenden Wachstumsunsicherheiten und der abnehmenden Inflationsrisiken erwarten die meisten Marktbeobachter im Juli die nächste Reduktion.

Die Schweizer Wirtschaft ist stark ins Jahr gestartet. Auch bei uns war ein gewisser US-Vorzieheffekt zu verzeichnen. Das BIP erhöhte sich um 0.8 %. Allerdings bleibt die weitere Entwicklung, insbesondere für die Exportunternehmen, unsicher. Insbesondere die Stimmung bei den Industrieunternehmen ist zuletzt deutlich gesunken. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) folgte der EZB und reduzierte den Leitzins um 0.25 % auf 0 %. Angesichts einer Inflationsrate, welche im Mai sogar im Minus lag, ein erwarteter Schritt. Eine weitere Zinssenkung und damit nach 2022 der neuerliche Fall unter die 0 % Grenze möchte die SNB möglichst vermeiden.

Die Renditen der 10jährigen Staatsanleihen in Europa sind trotz der jüngsten Zinssenkung der EZB leicht gestiegen. Auch in der Schweiz stieg die Rendite leicht an. Trotzdem ist es bei den kurzen bis mittleren Laufzeiten schwierig, noch attraktive Festverzinsliche zu finden.

Anfangs April sorgte der US-Präsident mit der Ankündigung der hohen Strafzölle bei Handelspartnern und Investoren für Konsternation. Die weltweiten Aktienmärkte reagierten schockiert und mit deutlichen Kursrückschlägen. Der Swiss Market Index (SMI) büsste beispielsweise innert 5 Handelstagen 12.9 % ein! Die Angst vor einem Handelskrieg und einer folgenden Rezession griff um sich. Erst mit dem Aussetzen der Importzölle für 90 Tage, beruhigten sich die Märkte wieder und setzten zu einer Gegenbewegung an. Vorerst wurde Zeit für Verhandlungen und ein Abwenden eines Handelskriegs gewonnen. Allerdings ist unklar, wie es nach Ablauf der Frist weitergeht. Trotz der bestehenden Unsicherheit fassten die Investoren wieder Mut und viele Aktienindices erholten sich über den Stand von anfangs April oder erzielten sogar neue Höchststände. Mit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor dazugekommen.

Nachdem der amerikanische Aktienmarkt insbesondere gegenüber den europäischen Indices im 1. Quartal schwächer abschnitt, konnte er den Rückstand im 2. Quartal aufholen. Insbesondere die zuvor unter Druck stehenden Technologiewerte verzeichneten eine überdurchschnittliche Performance und waren Haupttreiber für den Aufschwung und der Nasdaq erreichte ein neues Allzeithoch. Inzwischen haben die Bewertungen wieder ein anspruchsvolles Niveau erreicht und sind wieder anfälliger geworden. Unsere Anlage im S&P-Tracker verzeichnete unter Einbezug des um über 12 % gefallenen US-Dollars einen Rückgang von rund 7 %. Die Technologieanlage verlor gut 6 %.

Der im 1. Quartal begonnene Aufschwung an den europäischen Aktienmärkten wurde durch die angekündigten US-Zölle jäh gebremst. Die nachfolgende Erholung fiel nicht ganz so stark aus wie in anderen Regionen. Es bleibt weiter eine Restunsicherheit für die exportstarken EU-Ländern wie es nach dem Ablauf des Moratoriums weitergeht. So sind z.B. auf Stahl- und Aluminiumexporte höhere US-Zölle von 50 % anfangs Juni trotz der laufenden Verhandlungen in Kraft getreten.

Der europäische Wachstumswertefonds legte rund 4 % zu. Auch erfreulich im Plus notierten l’Oréal und Siemens. Nur einstellig im Minus waren ASML, Hermès und Schneider Electric. Deutlich über 20 % büssten dagegen die beiden Luxusgüterwerte Kering und LVMH ein. Hier belastete weiterhin die schwache Erholung Chinas.

Zu Beginn des Jahres gehörte der Swiss Market Index (SMI) zu den stärkeren Indices in Europa. Allerdings konnte der SMI den anfangs erlittenen Rückschlag im Gegensatz zu anderen Märkten bisher noch nicht ganz kompensieren. Seit anfangs Jahr legte Nestlé rund 5.5 % zu. Novartis stieg um rund 8 %, während Roche mit + 2 % dahinter lag. Zu den weiteren Gewinnern gehörten Geberit, Holcim (nach Abspaltung von Amrize), Lonza, Richemont, Sika. Swiss Life, Swiss Re, Swisscom und Zürich Versicherung. Verlierer waren ABB, Alcon, Givaudan, Kühne+Nagel, Logitech, Partners Group, Sonova und UBS.

Der Swiss Market Index Mid (SMIM) konnte seine bisherige Unterperformance zum SMI mehr als aufholen und stieg um rund 7 %. Zu den Aktien mit der besten Performance gehörten AMS, Avolta, Baloise, Belimo, BKW, Galenica, Helvetia, Lindt, PSP, Sandoz, Schindler und SPS. Burckhardt, Emmi, Galderma und Huber+Suhner konnten ebenfalls zulegen. Enttäuschend mit einem zweistelligen Minus schnitten Barry Callebaut, Clariant, Meyer-Burger, SGS, SIG, Swatch und Tecan ab. Ems-Chemie und VAT büssten nur wenig ein.

Chartübersicht


Swiss Market Index (SMI) / Swiss Market Index Mid (SMIM) / DJ Euro Stoxx 50(ESTX50) / Standard&Poors 500 (S+P500) je in Lokalwährung

 

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