Finanzmärkte Schweiz und International
Im zweiten Quartal 2026 standen erneut politische Entwicklungen unter Beteiligung der USA im Zentrum. Die US-Politik sorgte mit der Weiterführung ihrer protektionistischen Handelspolitik sowie mit Untersuchungen zu möglichen neuen Zöllen für Unsicherheit. Gleichzeitig spitzte sich die Lage im Nahen Osten deutlich zu. Der Konflikt zwischen den USA und Iran sowie die Bombardierungen Israels im Libanon und die andauernde Sperrung der Strasse von Hormus belasteten nach wie vor. Mehrere Male kündigte der US-Präsident ein Abkommen mit dem Iran an, ohne dass eine Einigung erzielt werden konnte. Mitte Juni wurde dann endlich eine Vereinbarung mit verschiedenen Eckpunkten zwischen Iran und den USA unterzeichnet. Allerdings müssen die wichtigen Details erst noch verhandelt werden. Wie es weitergeht und ob die unterzeichnete Vereinbarung zu einem dauerhaften Abkommen führt, ist angesichts der verhärteten Fronten mehr als fraglich. Die Unsicherheit für die Energiemärkte bleibt daher weiter bestehen, auch wenn sich der Ölpreis zuletzt wieder auf Vorkriegsniveau reduziert hat.
In den USA zeigt sich die Wirtschaft im bisherigen zweiten Quartal insgesamt noch widerstandsfähig. Die Federal Reserve stellte an ihrer Sitzung vom 17. Juni fest, dass die wirtschaftliche Aktivität trotz erhöhter Unsicherheit in solidem Tempo expandiert. Gestützt wird dies weiterhin von hohen Investitionen in die digitale Infrastruktur. Gleichzeitig bleibt die Preisentwicklung zu hoch. Die Konsumentenpreise stiegen im Mai um hohe 4.2 %. Auch der Arbeitsmarkt bleibt vorerst robust. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 3.9 %. Vor diesem Hintergrund beliess die amerikanische Notenbank (Fed), auch unter dem von Präsident Trump frisch ernannten Notenbankchef Kevin Warsh, den Zielkorridor für den Leitzins unverändert bei 3.50–3.75 %. Die Fed betont weiterhin ihre datenabhängige Haltung und verweist darauf, dass die Inflation wegen höherer Energiepreise und der geopolitischen Spannungen wieder stärker in den Fokus gerückt ist. Trotzdem ist vorerst nicht mit einer Zinsänderungen zu rechnen.
In der Eurozone blieb das wirtschaftliche Umfeld im zweiten Quartal gemischt. Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht weiterhin von einer insgesamt widerstandsfähigen Wirtschaft, verweist aber gleichzeitig auf die gestiegene Unsicherheit durch den Nahostkonflikt und die höheren Energiepreise. Die Inflation hat sich im Verlauf des Quartals wieder beschleunigt. Die Teuerung stieg im Mai auf 3.2 %, wobei insbesondere der Energiesektor mit zweistelligen Zuwachsraten belastete. Die EZB reagierte auf diese Entwicklung am 11. Juni mit einer Anhebung der Leitzinsen um 0.25 %. Gleichzeitig stellte die EZB klar, dass sie weiterhin datenabhängig vorgeht. Mindestens eine weitere Zinserhöhung in den kommenden Monaten scheint daher möglich.
Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal ordentlich ins Jahr gestartet. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) wuchs im ersten Quartal um 0.4 % gegenüber dem Vorquartal; der Industrie kam dabei eine tragende Rolle zu, während die inländische Endnachfrage verhalten blieb. Die Inflation blieb sehr tief. Im Mai lag sie bei 0.6 %. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beliess an ihrer vierteljährlichen Lagebeurteilung Mitte Juni den Leitzins bei 0.00 %. Gleichzeitig bekräftigte sie ihre Bereitschaft zu Interventionen am Devisenmarkt, um eine zu rasche und übermässige Aufwertung des Frankens zu verhindern. Die SNB begründete ihre vorsichtige Haltung damit, dass die Schweiz zwar von den höheren globalen Energiepreisen betroffen ist, der starke Franken den Inflationsdruck aber weiterhin dämpfe. Eine Zinsanpassung ist daher auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.
Die Aktienmärkte entwickelten sich im 2. Quartal weiter volatil. Nach jeweils vorübergehenden Entspannungen rund um den Iran-Konflikt verbunden mit der Hoffnung auf eine Öffnung der wichtigen Strasse von Hormus kam es wiederholt zu kräftigen Aufwärtsbewegungen. Rückschläge bei den Verhandlungen und höhere Ölpreise lösten aber jeweils rasch neue Nervosität aus. Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung führten Mitte Juni zu deutlichen Kursanstiegen. Gleichzeitig bleiben die fundamentalen Unterstützungsfaktoren – solide Unternehmensgewinne, hohe Investitionen in Technologie und insgesamt noch robuste Konjunkturdaten – intakt. Allerdings bleibt eine anhaltende Entspannung bei den Energiepreisen zentral für eine weiterhin stabile Kursentwicklung. Die bevorstehenden eher nachrichtenärmeren Sommermonate und die Abwesenheit vieler Marktteilnehmer können erfahrungsgemäss für eine noch volatilere Kursentwicklung sorgen.
Nach einer etwas unterdurchschnittlichen Performance im 1. Quartal setzte der amerikanische Aktienmarkt in den letzten drei Monaten angeführt von den Technologiewerten zu einer deutlichen Erholung an und erzielte neue Rekordhöchststände. Zwischenzeitlich lösten die hohen Inflationszahlen Zinserhöhungssorgen aus und führte zu Rückschlägen. Ein möglicher US-Iran-Deal wurde von den Märkten aber freudig begrüsst. Unsere Anlage im S&P500 notiert seit Jahresanfang nun mit rund 10 % im Plus, während im Technologiebereich sogar ein starker Anstieg von +18 % verzeichnet werden konnte. Aufgrund dieses deutlichen Anstiegs haben wir hier etwas Gewinne realisiert.
Die europäischen Aktienmärkte entwickelten sich im zweiten Quartal uneinheitlich, hielten sich aber insgesamt besser als noch zu Beginn des Konflikts befürchtet. Finanz- und Industrieunternehmen konnten sich phasenweise stabilisieren, während Minen-, Reise- und energieabhängige Titel stärker auf die Ölpreisschwankungen reagierten. Mitte Juni profitierten die Märkte deutlich von Hoffnungen auf eine Entspannung im Nahen Osten; Ende Juni überwog wieder eine vorsichtigere Haltung.
Der Schweizer Markt entwickelte sich im zweiten Quartal erneut unterdurchschnittlich. Der Swiss Market Index (SMI) wurde von seiner defensiven Zusammensetzung gebremst. Von den 20 im SMI enthaltenen Aktien lagen seit Jahresanfang 11 im Plus. Spitzenreiter war ABB mit Plus knapp 48 %. Die übrigen Werte lagen zwischen 1 % und 15 % im positiven Bereich. Bei den 9 Verlierern stach Partners Group mit -33 % negativ hervor. Aber auch Alcon und Geberit waren zweistellig im Minus.
Der Swiss Market Index Mid (SMIM) konnte knapp nicht mit der Erholung des SMI im 2. Quartal mithalten. Im SMIM ragte VAT Group mit einem Anstieg von über 83 % hervor. Aber auch Accelleron, Belimo, Ems-Chemie, Sandoz, SIG und für einmal Swatch konnten mit hohen zweistelligen Zuwächsen die Anleger freuen. Deutlich zweistellig abgestraft wurden dagegen Adecco, Barry Callebaut, Galenica, Georg Fischer, Lindt, Schindler, Swissquote und Temenos.
Aufgrund des insgesamt weiter unsicheren Umfeldes empfehlen wir selektive Gewinnmitnahmen in stark gestiegenen Positionen und eine vorübergehende Erhöhung der Liquidität.
Chartübersicht

Swiss Market Index (SMI) / Swiss Market Index Mid (SMIM) / DJ Euro Stoxx 50(ESTX50) / Standard&Poors 500 (S+P500) je in Lokalwährung